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Ungebrochene Sequenz von Zwickmühlen und Systembrüchen!

Entwicklung, historische Parallelen und Gegenläufigkeiten im zahnärztlichen Gebührenrecht

Die Geschichte bei den Zahnärzten ist grundsätzlich anders als bei den Ärzten. Während ab 1924 die Preugo (Teil II) gleichermaßen für die ärztliche Privatbehandlung wie für die Behandlung von Sozialversicherten Grundlage war, galt im Zahnärztlichen Bereich Preugo Teil III nur für Privatbehandlung. Für Sozialversicherte und Fürsorgepatienten wurde mit der Preugo IV ein Ausnahmetarif mit zunächst nur 9 Leistungspositionen geschaffen. Die darin festgesetzten Festgebühren lagen großenteils erheblich unter den Mindestsätzen des Teils III der Preugo.

Dieser Teil IV der Preugo wurde 1935 als Kazgo (Kassenzahnärztliche Gebührenordnung) vertragliche Kassenzahnärztliche Gebührenordnung mit nur 9 Leistungspositionen im Gegensatz zu 57 Leistungspositionen der Preugo Teil III. Dies bedeutete für den Kassenzahnärztlichen Bereich extreme Pauschalierung des Leistungsspektrums; ein Vorgang, den es bei den Ärzten niemals gab.

1962 gelang es, durch Einführung des Bema 62 die völlig untauglich gebliebene Kazgo durch einen erweiterten Leistungskatalog zu ersetzen, der aber immer noch nicht dem vollen Umfang des inzwischen erreichten Standards des zahnärztlichen Leistungsumfanges entsprach. Dieser war festgeschrieben in dem von der Zahnärzteschaft erarbeiteten Entwurf einer Gebühren-ordnung für Zahnärzte, die aber vom zuständigen Bundesministerium (noch) nicht erlassen worden war.

Um die kassenzahnärztliche Behandlung wenigstens in Teilen der umfassenderen Leistungsbeschreibung (Gebührenordnungsentwurf) angleichen zu können, wurden Teile dieses Entwurfes im Vorgriff zum Bema 62 gemacht; Parodontosebehandlung und kieferorthopädische sowie prothetische Behandlung waren im Bema 62 nicht erfasst.

Am 1.4.1965 wurde schließlich zur Ablösung der Preugo Teil III unter Wegfall der Preugo Teil IV die Bugo65 als Zahnärztliche Gebührenordnung von der Bundesregierung erlassen (Steigerungssätze 1 bis 6fach, wobei 1fach-Satz überwiegend und zumindest auslagendeckend waren). Ein Jahr später einigten sich Kassenzahnärzte und Krankenkassen als Vertragspartner auf den Bema 66, der auszugsweise Leistungsbeschreibungen der neuen Privat-Gebührenordnung aufgriff. Ergänzungen des Bema um kieferorthopädische und prothetische Leistungen sowie Teile der ´Parodontalbehandlung' brachten ihn nicht annähernd auf einen Stand, der wissenschaftlichen Weiterentwicklung der Zahnheilkunde entsprechend .
Ein Ausschuss "Neufassung Gebührenordnung Zahnärzte" des BDZ (heute etwa GOZ-Senat der BZÄK entsprechend) entwickelte die „Leistungsbeschreibung einer umfassenden Zahnheilkunde 1980“, vergleichbar der Rolle die der heutigen HOZ und HOK zukommt
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Moral aus der Geschicht': Können deutsche Verordnungsgeber seien sie totalitär oder demokratisch mit den Heilberufen nach wie vor umspringen wie sie wollen? − NUMQUAM ITERUM & TU ADHUC FELIX AUSTRIA.

 
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